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Teufelsgraben bei Holzkirchen

Der Teufelsgraben

Kirchsee bei Sachsenkam

Um den Teufelsgraben zwischen Holzkirchen und Otterfing im oberbayerischen Landkreis Miesbach ranken sich alte Sagen. Gemeinsam ist ihnen, dass der Teufel einst in einer Nacht die Isar umleiten wollte. Da er jedoch von Menschen überlistet wurde, konnte er sein Werk nicht rechtzeitig beenden. Dies erklärt natürlich, warum der Teufelsgraben ein Flusslauf ohne Fluss ist. 

Moderne Wissenschaftler sehen das etwas anders. Sie berichten, dass sich im Zuge der Würm-Kaltzeit (benannt nach der Würm, einem Nebenfluss der Amper), der bislang letzten Kaltzeit im Alpenraum, gewaltige Gletscher ins Alpenvorland schoben. Im Bayrischen Alpenvorland sind v.a. die Einflüsse des Isar-Loisach-Gletschers bis heute zu sehen. Der Ammersee, der Starnbergersee und die typische Moränenlandschaft sind auch heute noch unübersehbare Zeugen aus jener Zeit. Fachleute sehen den Höhepunkt der Vergletscherung vor etwa 20000 Jahren.  

Die abfließenden Schmelzwasser schufen sich ihre eigenen Gräben, die v.a. über Isar, Mangfall und Inn eine Verbindung zur Donau schufen. Bekannte Beispiele solcher Gräben sind das Mühltal (bei Starnberg), das Gleißenthal (südl. von München, vom Deiniger Weiher bis Deisenhofen) und eben der Teufelsgraben. Dabei war der Teufelsgraben anfangs wohl der Lauf der Isar, dessen eigentliches Flussbett für einige tausend Jahre durch Moränenschutt blockiert war.

 

Karte zum Verlauf des Teufelsgrabens

 

Der Teufelsgraben nimmt seinen Anfang mit dem Kirchseebach, der etwa einen Kilometer nordwestlich des Klosters Reutberg (Gemeinde Sachsenkam, Lkr. Bad Tölz) den Kirchsee verlässt. Vielfach gewunden schlängelt sich der Kirchseebach durch einen Auwald und über sumpfige Wiesen. Recht nahe passiert er dabei auch das Kloster Reutberg.
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Beim gut einen Kilometer nordöstlich vom Kirchsee gelegenen Sägewerk von Babenberg wird der schmächtige Wasserlauf zu einem Teich aufgestaut und verlässt das Sägewerk schließlich wieder als kleiner Bach, der sich meist am Waldrand entlang weiter durch die Landschaft schlängelt.
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Etwa 1,3 km von Babenberg entfernt passiert der kümmerliche Rest des einst mächtigen Gletscherabflusses die kleine Ansiedlung Pelletsmühl und treibt dort ein Wasserrad an.
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Kirchseebach, Pelletsmühl

 

In nördlicher Richtung geht es weiter durch den Wald. Ein Stück vor dem Hackensee verbreitert sich der Bachlauf zu einer auenartigen Landschaft mit mehreren Tümpeln und Teichen. Schließlich mündet der Kirchseebach in den eineinhalb Kilometer von Pelletsmühl entfernten Hackensee bei Kleinhartpenning (Gemeinde Holzkirchen).
südlich vom Hackensee

 

Der Hackensee, ein idyllischer kleiner Waldsee, wird sowohl von Fischern als auch im Sommer von Badegästen und im Winter von Eisstockschützen und Schlittschuhläufern genutzt. Mit seiner länglichen, in der Mitte leicht nach Norden gebogenen Form erstreckt er sich ungefähr einen halben Kilometer lang etwa in Ost-West-Richtung. An seinem nordöstlichen Ende entlässt er sein Wasser nach Norden in den kleinen Hackenseebach.
Hackensee
Ursprung des Hackenseebachs

 

Der Hackenseebach fließt anfangs durch den Wald und schlängelt sich anschließend durch Wiesen. Ungefähr einen Kilometer westlich von Buch (bei Kleinhartpenning, Gemeinde Holzkirchen) schafft der Hackenseebach noch eine größere s-förmige Biegung. Anschließend hat er noch Kraft für eine etwa 1,3 Kilometer lange Wegstrecke durch eine sumpfige Wiese, beidseitig eingesäumt von Wald, nach Norden bis etwa zur Staatsstraße 2073 von Holzkirchen nach Dietramszell.
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teufelsgraben, holzkirchen - dietramszell, süd

 

Dort ergießt er sich in die Wiese und versickert überraschend über sogenannte Schlucklöcher in den Untergrund. Wenn - so wie hier - das Wasser des Baches schneller verschwindet als es nachfließt, nennt man das auch eine Bachschwinde. Nach lang anhaltenden stärkeren Regenfällen kam es aber immer wieder mal vor, dass sich das Wasser bis zur Straße hinauf staute und diese dann überflutete. Heute sollen kleine Tunnel unter der Staatsstraße ein Überfluten verhindern.

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Von Babenberg bis zur Staatsstraße 2073 fließt das Wasser in einem Graben, der teilweise durch seine Breite und den Bewuchs mit Wäldern gar nicht immer so deutlich zu erkennen ist. Radfahrer bekommen es aber stets zu spüren. Immer, wenn sie Babenberg (von Reutberg kommend), Pelletsmühl, den Hackensee, den Hackenseebach oder die beschriebene Stelle der Staatsstraße 2073 passieren, müssen sie bald darauf kräftig in die Pedale treten.

Ab der Staatsstraße 2073 setzt sich der Graben, nun ohne Bachlauf, als Trockengraben weiter fort. Zunächst durch den Wald in nordöstlicher Richtung. Der Teufelsgraben ist hier relativ schmal, beeindruckt aber mit seiner Tiefe. Die ersten knapp eineinhalb Kilometer ist der Weg (zumindest wenn es nicht geregnet hat) auch für Radfahrer gut geeignet. Dann folgen aber etwa 800 m, in denen das Gelände immer unwegsamer wird; hier heißt es absteigen und schieben.
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Da man sich im Graben nicht verlaufen kann, kommt man auf Höhe Roggersdorf (zu Holzkirchen gehörig) unweigerlich wieder auf einen gut befahrbaren Weg. Ein recht steiles Sträßlein führt vom Teufelsgraben hinauf nach Roggersdorf und kaum 100 m weiter nordöstlich zweigt links ein ebenso steiler Weg nach Palnkam (zu Otterfing gehörig) ab.
Teufelsgraben, Roggersdorf

 

Der tiefe Graben war sicherlich ein generelles Hindernis für den Ausbau von Verkehrsverbindungen zwischen Otterfing und Holzkirchen und damit zwischen München und Holzkirchen. Für die bereits 1857 eröffnete Eisenbahnlinie von München nach Rosenheim über Holzkirchen musste der Teufelsgraben zwischen Holzkirchen und Otterfing für einen kurzen Abschnitt aufgeschüttet werden. Über 100 Jahre später wurde etwa 800 m westlich davon schließlich auch die Straßenverbindung zwischen den beiden Nachbarortschaften durch eine teilweise Aufschüttung verbessert. Auf unserer Route kommen wir zunächst zur Autostraße (B13) von München nach Holzkirchen und gut 800 m weiter schließlich (am Ende ziemlich weglos) zum Bahndamm.
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Nördlich des Holzkirchner Ortsteils Erlkam verläuft der Teufelsgraben weiter in nordwestlicher Richtung und erreicht nach etwa 2,8 Kilometern schließlich bei Aberg (nördlich von Föching) die Trasse der A8 München-Salzburg. Wiederum ist deutlich zu sehen, dass auch die Autobahnbauer den Teufelsgraben weitgehend aufgeschüttet haben. Lediglich am nördlichen Rande überspannt eine Brücke einen kleinen Teil des Grabens. Diese Brücke dient aber weniger der Überwindung des Teufelsgrabens, sondern liefert vielmehr einen Tunnel, um eine schmale Straße von Föching zur Verbindungsstraße Otterfing-Kreuzstraße unter der Autobahn hindurchzuführen.
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Etwa zwölfhundert Meter weiter westlich kreuzt sich der Teufelsgraben nördlich von Fellach (Fellach-Nehaider) mit der Straße Holzkirchen - Kreuzstraße - Grub - Westerham. Unverkennbar wurde auch hier der Graben ein Stück weit aufgeschüttet, um die Straße sanfter hindurchzuführen.
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Von Fellach-Nehaider erreicht der Graben nach weiteren etwa zwei Kilometern den Bahnhof Kreuzstraße. Während die eigentliche Ansiedlung Kreuzstraße oberhalb des Teufelsgraben liegt, befindet sich der Bahnhof etwa auf halber Höhe am Abhang zum Grund des Grabens. Auch die Eisenbahnlinie von Kreuzstraße nach Westerham verläuft im Teufelsgraben bzw. Mangfalltal. Gleich neben dem Bahnhof quert die Verbindungsstraße Kreuzstraße - Unterdarching den wohl auch an dieser Stelle teilweise aufgefüllten Graben.
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Über Kreuzstraße führt der Teufelsgraben schließlich nach Grub zum Mangfallknie. Anfangs waren das Niveau von Mangfall und Teufelsgraben etwa auf dem von Grub und die Mangfall floss über das heutige Grub-Harthausener Trockental (Teil der Münchner Schotterebene) nach Norden. Harthausen (bei Grasbrunn) liegt etwa 15 km nördlich von Grub. Erst nach dem Rückzug des Inntalgletschers konnte die Mangfall ihren Weg von Grub nach Osten zum Inn finden.
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Von Grub führt eine schmale Verbindungsstraße nach Kleinhöhenkirchen runter zur heute viel tiefer liegenden Mangfall, welche von einer kleinen Brücke überquert wird. Im Bereich des Gruber Mangfallknies endet der Teufelsgraben, indem er in das Mangfalltal mündet.
Mangfall bei Grub

mangfallbrücke bei grub

 

Die einzige den Teufelsgraben wenigstens ein kleines Stück überspannende Verkehrsbrücke ist also die Autobahnbrücke der A8 (München-Salzburg) etwa 300 m nördlich von Aberg (bei Föching). Eine zweite (den Graben nun wirklich überspannende) Brücke stammt aus der Zeit um 1890. Es handelt sich um ein Aquädukt als Teil des Leitungssystems der Münchner Trinkwasserversorgung. Mittlerweile baufällig geworden, wird diese Betonbrücke nur noch als Kulturdenkmal erhalten. Da herabfallende Betonbrocken eine ernste Gefährdung für Wanderer auf dem Wanderweg zwischen Kreuzstraße und Grub darstellten, wurde der Durchgang unter der Brücke um 2010, 2011 mit einem aufwändigen (aber nicht gerade schönen) Gerüst gesichert.

 

Etwa 700 Meter (südwestlich) vom Bahnhof Kreuzstraße befindet sich eine weitere interessante Stelle. Hier mündet das sogenannte Föchinger Trockental (ebenfalls ein würmeiszeitliches Abflusstal) in den Teufelsgraben. Das Föchinger Trockental, in dem auch die Eisenbahnlinie von Holzkirchen Richtung Kreuzstraße verläuft, hat seinen Anfang vermutlich im Raum Warngau. Im Bereich der Alten Au in Holzkirchen nimmt es noch das sogenannte Baumgartener Trockental auf. Dieses beginnt wohl im Bereich von Kleinhartpenning, zieht über Buch, Baumgarten, Flintspachgraben und Thalbüchel in den Anfangsteil der Erlkamerstraße, dann am ehemaligen Umspannwerk (östlich des Eisenbahndoppeltunnels) zur Carl-Weinberger-Straße und schließlich nach Querung der Rosenheimer Straße über die Lindenstraße zur Alten Au.
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Baumgartener Trockental,Holzkirchen,Erlkamer Straße

 

Der Autor dieses Beitrags ist kein Geowissenschaftler. Es handelt sich hier also ausdrücklich nicht um einen wissenschaftlichen Artikel über geologische Formationen. Es geht lediglich um eine Beschreibung geologischer Besonderheiten, die jedem auffallen können, der sich im Raum Holzkirchen mit offenen Augen durch die Landschaft bewegt. Anregungen zu Richtigstellungen oder Ergänzungen sind willkommen.

Verwendete Quellen sind neben eigenen Beobachtungen,

  • einschlägige Artikel von Wikipedia
  • "Der Tölzer Lobus des würmeiszeitlichen Isar-Loisach-Gletschers als Gegenstand einer geodidaktischen Exkursion" [Dissertation der Fakultät für Geowissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München von Franz Kestler (2005)] 
  • Google-Earth
  • Openstreetmap
    http://www.openstreetmap.de/karte.html