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Taubenberg bei Warngau

Der Taubenberg bei Warngau

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Der Taubenberg im Landkreis Miesbach ist wie der Hohe Peißenberg oder der Irschenberg praktisch ein Abfallprodukt gewaltiger zehn bis fünfzehn Millionen Jahre alter geologischer Vorgänge.

Durch die sich auffaltenden Alpen kam es auch zur Bildung großer Massen an Geröll und sandigen Rückständen, die von den damaligen Flüssen als sogenannte Molasse in das Gebiet nördlich der sich bildenden Alpen geschwemmt wurden. Dabei bildeten sich auch gröbere Schuttkegel, die ihre heutige Form schließlich durch die Arbeit der Gletscherzungen der vergangenen Eiszeiten bekamen.

Mit den dörflich geprägten Ansiedlungen Osterwarngau, Oberwarngau, Reitham, Einhaus und Wall umrahmt die Gemeinde Warngau die westliche Hälfte des Taubenbergs. Der nordöstliche Teil (Fentberg, Neustadl, Wildschwaiger) gehört zur Gemeinde Valley und der südöstliche Teil (Gotzing, Kilian u.a.) zur Gemeinde Weyarn.  Es sei auch darauf hingewiesen, dass der Fentberg im Allgemeinen als eigenständiges Areal neben dem Taubenberg gesehen wird. In diesem Beitrag wird aber der Einfachheit halber alles dem Oberbegriff Taubenberg untergeordnet.

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Etwa auf Höhe der Verbindungsstraße von Weyarn nach Thalham erstreckt sich der Taubenberg westlich der Mangfall ca. 5 km nach Westen Richtung Oberwarngau. Von Nord nach Süd dehnt er sich über knapp vier Kilometer aus. Äußerlich kaum auffallend teilt der kleine Farnbach mit seinem gleichnamigen Tal den Taubenberg in eine etwas höhere Nord- und eine Südhälfte. Den höchsten Punkt mit knapp 900 Metern erreicht der Taubenberg im Westen. Dort nimmt auch der Farnbach seinen Anfang und sucht in West-Ost-Richtung seinen Weg zur Mangfall. Auf der Höhe von Thalham, kurz vor der Bahnstrecke Holzkirchen – Bayrischzell nimmt der Farnbach den etwas südlicher verlaufenden Steinbach auf, quert kurz darauf direkt am Bahnübergang die Gleisstrecke, um schließlich nach einem kleinen Bogen in die Mangfall zu münden.

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Der Taubenberg ist ein beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer und Wanderer. Schon 1892 wurde auf dem Westende ein erster Aussichtsturm im Bereich des höchsten Punktes errichtet. Der damals hölzerne Turm war schon nach weniger als zwanzig Jahren marode und wurde 1911 vom heute noch existierenden Turm aus Tuffstein ersetzt.

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Etwa 250 m östlich des Turms führt der Weg zu einer Kapelle aus dem 17. Jahrhundert (1634) und einem angrenzenden großen Aussichtspunkt mit Blick zu den südlich gelegenen Bergen, wie Wendelstein, Rotwand, Bodenschneid oder Wallberg. Praktisch nichts mehr erinnert heute daran, dass in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und auch schon davor neben der Kapelle einige hölzerne Gebäude standen (siehe mittleres Bild), von denen das sogenannte Blockhaus als beliebte Ausflugsgaststätte diente. Heute fällt dieser Bereich höchstens als größere ebene Fläche auf, die aber mittlerweile nur noch Standort mehrerer Bäume ist. Der Aussichtspunkt auf der gegenüber liegenden Straßenseite enthielt damals zum Vergnügen der Besucher einen Tanzboden.

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Mit der zunehmenden Bedeutung des Taubenbergs für die Trinkwasserversorgung der Großstadt München sind auch mehrere Bauernhöfe verschwunden. Wie alte Aufnahmen zeigen, war einer der Höfe (Christophhof) wenig unterhalb des Aussichtspunktes angesiedelt. Das übernächste Foto zeigt, wie das heute etwa aussehen würde. 

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Ein im Vergleich zu heute etwas geringerer Baumbewuchs bedeutete früher sicherlich eine bessere Aussicht Richtung Süden zu den Bergen. Auch heute wird sich so mancher Wanderer fragen, ob man nicht ein paar Bäume schlagen könnte, um die Sicht wieder etwas zu verbessern. Dieser an sich verständliche Wunsch konkurriert aber wohl mit den Absichten der Landeshauptstadt München. Schon Ende des 19. Jahrhunderts haben sich die Verantwortlichen der Landeshauptstadt, allen voran Max von Pettenkofer, in das Mangfalltal und den angrenzenden Fentberg/Taubenberg verliebt. Auf der Suche nach großen Mengen Trinkwasser von hoher Qualität für ihre immer wieder von Typhus- und Choleraepidemien heimgesuchte Großstadt wurden die Münchner hier fündig. Noch heute erinnert der Obelisk im Mühltal (zwischen Darching und Weyarn) an den Kasperlbach, der ursprünglich an dieser Stelle zu Tage trat und zwei Mühlen antrieb. Seit 1883 ist der ehemalige Bach Teil der Münchner Trinkwasserversorgung. Man braucht nicht viel Fanatsie, um sich vorzustellen, dass sich die Interessen der Großstädter nicht immer mit denen der Einheimischen aus dem Taubenberggebiet zur Deckung bringen ließen und lassen.

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Mit einer technischen Meisterleistung errichtete man eine ca. 30 Kilometer lange mächtige Wasserleitung vom Mangfalltal nach München (Hochbehälter in Deisenhofen). Seit 1883 fließt das begehrte Wasser in die Großstadt. Auch heute noch stammt der größte Teil des Münchner Wassers vom Taubenberg bzw. aus dem Mangfalltal. Im Südosten unterhalb des Taubenbergs (zwischen den Flüssen Schlierach und Mangfall - ca. 400 Meter vor deren Vereinigung) beobachtete man noch im 19. Jahrhundert das Hervortreten von Grundwasser an die Oberfläche (Kaltenbachquelle). Ursprünglich sollte ein Turm aus Tuffstein das Abschlussbauwerk der dortigen Quellfassung werden. Da sich der Untergrund jedoch nicht als tragfähig genug für den schweren Turm erwies, errichtete man dort ein kleineres Wasserschloss (Reisacher Wasserschloss). Die schweren Tuffsteine für den Turm wurden mit Pferdefuhrwerken von Thalham bis ans Westende des Taubenbergs hinaufgezogen und dort zum Bau des heutigen Aussichtsturms verwendet.

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Mittlerweile sind etwa zwei Drittel des Taubenbergs im Besitz der Stadt München. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde zum Schutz des Trinkwassers eine weitgehende Aufforstung des Geländes beschlossen. Längst hat man damit begonnen, die ursprünglich überwiegend aus Fichten bestehenden Aufforstungen durch standortgerechte Mischwälder zu ersetzen. So bietet der Taubenberg heute zwar nicht immer die beste Aussicht, dafür aber ökologisch interessante und auch wertvolle Biotope. Wer dennoch auf gute Aussicht Wert legt, der kann sich im Sommerhalbjahr den Schlüssel für den Aussichtsturm am Berggasthof Taubenberg (einen knappen Kilometer westlich und etwas tiefer liegend) gegen eine Kaution ausleihen. Leider verhindern aber auch auf dem Turm die hohen Bäume eine schöne Rundumsicht.

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Heute führen viele Wege auf und durch den Taubenberg, die alle ihren Reiz haben. So kommt man z.B. von Osterwarngau entlang eines mit Bildtafeln markierten Kreuzweges zur Wallfahrtskapelle Nüchternbrunn. Schon in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts wurde hier auf Betreiben des Probstes aus Kloster Weyarn eine Kapelle mit angeschlossener Klause für einen Eremiten errichtet. Vordem gab es dort nur eine hölzerne Klause. Um 1770 brannte die Kapelle ab und wurde kurz darauf neu errichtet. In der dann bestehenden Form existierte sie bis zum Jahr 1940, als sie erneut abbrannte. Erst sechs Jahre später, 1946, wurde sie schließlich in der heute bekannten Form wieder aufgebaut. Die Klause ist nun ein eigenständiges Gebäude neben der Kapelle. Auch der Brunnen für die bei Wallfahrern begehrte Quelle wurde etwas verlegt und ist nun nicht mehr überdacht. Die Klause ist etwa seit Mitte der 60iger Jahren des 20. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt. An zwei der letzten Eremiten erinnert ein Holzkreuz am Hang nördlich der Kapelle.

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Von Nüchternbrunn aus führen Wege zum Aussichtsturm, (etwas versteckt) runter ins Farnbachtal, nach Süden zum Berggasthof oder aber in östlicher Richtung über die Neustadl nach Fentberg. Auf dem Weg nach Neustadl passiert man (jeweils an einer Wegkreuzung) zwei jahrhundertealte Tuffsteinsäulen, die Bildstöcke Grüne Marter (Gemeinde Warngau) und Weiße Marter (Gemeinde Valley). Besonders die sogenannte "Weiße Marter" ist in einem jämmerlichen Zustand und obendrein leicht zu übersehen. Wenn man aber das Alter dieser Tuffsteinsäulen in Betracht zieht, dann steht man ganz andächtig davor. Gemäß den Angaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege stammt die Grüne Marter aus dem Jahr 1705, die Weiße Marter gar aus dem 16. Jahrhundert.

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Dagegen sind die beiden Kapellen von Neustadl (erste Hälfte des 19. Jahrhunderts) und Fentberg (taucht in der Liste der Denkmäler beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nicht auf) in tadellosem Zustand.

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Wer den Taubenberg von Thalham aus erwandert oder mit Rad oder PKW erfährt, der kommt auf dem Weg zum Turm am bei Ausflüglern beliebten Berggasthof Taubenberg vorbei. Bei schönem Wetter kann es dann im herrlichen Biergarten auch eng werden. Wer unter der Woche den Berggasthof ansteuern will, der sollte sich aber möglichst nach den Öffnungszeiten erkundigen. Die herrliche Aussicht vom Biergarten zeigt das Titelfoto dieses Beitrags.

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neben eigenen Beobachtungen verwendete Quellen:

http://www.muenchenwiki.de/w/index.php?title=Trinktrog&printable=yes
(Mai 2013)

http://www.swm.de/privatkunden/m-wasser/gewinnung.html
(Mai 2013)

http://de.wikipedia.org/wiki/Taubenberg
(Mai 2013)

http://de.wikipedia.org/wiki/Aussichtsturm_Taubenberg_%28Warngau%29
(Mai 2013)

http://www.warngau.de/index.php?id=635,66
(Mai 2013)

http://www.afsv.de/download/literatur/exkursion-2006/teil2_taubenberg.pdf
(Mai 2013)

Openstreetmap: www.openstreetmap.de/karte.html